Leistungen
Unsere Abteilung für neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation umfasst 74 Betten. Neben Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzungen behandeln wir z. B. auch Patienten nach schweren Verläufen von Infektionen (z. B. einer Sepsis, Enzephalitis oder Meningitis) oder eines Guillain-Barré-Syndroms sowie Patienten mit Hirntumoren.
Integratives Konzept
Integratives Konzept
Unser Fachbereich Neurologie setzt auf ein integratives wie auch interdisziplinäres Konzept. Das integrative Konzept umfasst sowohl die Notfall- und ambulante Versorgung als auch die stationären Behandlungsphasen der neurologischen Akut- und Rehabilitationsmedizin. Dadurch können Patienten dort versorgt werden, wo es ihr jeweiliger Krankheitszustand erfordert. Die organisatorischen und räumlichen Strukturen erlauben einen fließenden Übergang zwischen den Phasen ohne Zeit- oder Informationsverlust. Das interdisziplinäre Konzept beinhaltet, dass die Mitarbeiter berufsübergreifend in den Grundkonzepten neurologischer Behandlung fortgebildet sind. Diese Grundkonzepte werden von jedem Mitarbeiter angewendet.
Im Zuge unseres integrativen Konzept arbeiten wir eng zusammen mit der Klinik für Neurologie und Neurologische Intensivmedizin sowie der Klinik für Neurologische Rehabilitation.
Behandlungsphase: PHASE B
Behandlungsphase: PHASE B
Welche Patienten können wir aufnehmen?
- Patienten mit schwerer Schädigung des Gehirns, des Rückenmarks und des peripheren Nervensystems, die noch einer umfassenden pflegerischen Unterstützung bedürfen und bei denen ein akutmedizinischer Behandlungsbedarf besteht.
- Intensivmedizinisch behandlungspflichtige Patienten (inklusive Beatmungspflicht)
Ziele in der Phase B
- Stabilisierung des klinischen Allgemeinzustandes
- Entwöhnung von der Beatmungsmaschine
- Verbesserung der Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Umwelt
- Verbesserung der Orientierungsleistungen
- Aufbau einer verbalen oder nonverbalen Kommunikation
- Aufbau der Nahrungsaufnahme
- Wiedererlangen von basalen Aktivitäten des täglichen Lebens
- Vermeiden von Folgeschäden
- Herstellung der Rehabilitationsfähigkeit
Behandlung in der Phase B
- Fortführung kurativer-medizinischer Maßnahmen (z. B. intensivmedizinische Behandlung und kurative medizinische Behandlung neurologischer Schäden und von Grund- oder Begleiterkrankungen, Neuromonitoring)
- Individuell angepasste, multidimensionale interdisziplinäre therapeutische und pflegerische Maßnahmen zur Verbesserung der betroffenen sensomotorischen, kognitiven und neurovegetativen Funktionen
- Einbeziehung der Angehörigen
Erfahren Sie mehr zu Behandlungsphase PHASE A (Klinik für Neurologie und Neurologische Intensivmedizin) sowie zur weiterführenden Rehabilitation.
Schwerpunkt Schädel-Hirn-Verletzungen
Schwerpunkt Schädel-Hirn-Verletzungen
Der Begriff „Schädel-Hirn-Verletzung“ umfasst alle Formen der Schädigung des Schädels und des Gehirns. Es gehören hierzu nicht nur die unfallbedingten Verletzungen, sondern auch alle Arten von Schädigungen, die aus anderen Ursachen entstanden sind, wie z. B. Hirninfarkt, Hirnblutungen, Hirntumoren oder Sauerstoffmangel des Gehirns. Ein Großteil der von einem Unfall Betroffenen erleidet neben der Schädel-Hirn-Verletzung auch weitere Verletzungen im Brust- oder Bauchraum oder aber eine Kombinationsverletzung von Gehirn und Rückenmark.
Schädel-Hirn-Verletzungen können jeden treffen – jederzeit.
Bei Patienten mit einer schweren Hirnfunktionsstörung besteht neben einer Bewusstseinseinschränkung, bis hin zur Bewusstlosigkeit, nicht selten eine Fehlsteuerung der vegetativen (unbewussten) Funktionen. Das Gehirn als Kontrollorgan für alle bewussten und unbewussten Funktionen des Körpers kann bei schweren Verletzungen Atmung, Herzrhythmus, Kreislauf, Blutdruck, Körpertemperatur und den Stoffwechsel oft nicht mehr ausreichend regulieren.
Manche Patienten entwickeln nach einem Schädel- Hirn-Trauma oder auch nach einer nicht-traumatischen Schädel-Hirn-Verletzung ein apallisches Syndrom, das umgangssprachlich auch (nicht ganz korrekt) als Wachkoma bezeichnet wird. Bei Patienten, die ansprechbar und reaktionsfähig sind, finden sich in der Regel Beeinträchtigungen der höheren Hirnfunktionen. Häufig ist das Schul-, Berufs- oder Allgemeinwissen nicht mehr abrufbar. Gestört sind oft das Konzentrationsvermögen, das kurz- und mittelfristige Gedächtnis, das Sprachverständnis und die Sprachexpression. Ebenso sind oft Handlungsstörungen zu beobachten. Viele Betroffene zeigen mit zunehmender Wachheit erhebliche Verhaltensauffälligkeiten. Sie können sich z. B. örtlich, zeitlich und situativ nicht mehr orientieren und leiden unter erheblichen Wesensveränderungen mit teils kindlichem, teils resignativem oder auch aggressivem Verhalten. Diese Funktionsstörungen werden häufig in Kombination beobachtet.
Spezielle Therapie in der Frühphase der Rehabilitation
Spezielle Therapie in der Frühphase der Rehabilitation
Um eine Rückbildung der neurologischen Funktionsstörungen erreichen zu können, benötigen Patienten mit schweren Schädel-Hirn-Verletzungen oder anderen schweren neurologischen Erkrankungen spezielle störungsspezifische neurologische Rehabilitationsmaßnahmen, die schon früh nach dem Schädigungsereignis beginnen. Dies beinhaltet z. B. eine spezielle aktivierende Pflege nach modernen Konzepten der Rehabilitation wie Kinästhetik und die Lagerung in Neutralstellung (LiN), aber auch ältere bewährte Methoden, zu denen beispielsweise das Bobath-Konzept (in seiner aktualisierten Form) zählt.
Zur Anwendung kommen ebenso technische Therapieverfahren wie die Therapie mit dem ERIGO-Gerät, dem Laufband und dem Gangtrainer, aber auch sehr emotionale Zugänge zum Patienten wie die tiergestützte Therapie mit einem Therapiehund. In der neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation werden Physiotherapie, Ergotherapie, Schlucktherapie, Neuropädagogik, Neuropsychologie, Logopädie und physikalische Therapie in der Anfangsphase der Rehabilitation auch im Sinne aktivierender Maßnahmen durchgeführt. Dies geschieht mit Übungen zur Lebenspraxis wie z. B. Nahrungsaufnahme und Körperpflege. Therapieziele sind später – abhängig vom jeweiligen medizinischen Zustand – u. a. die Mobilisierung, die Wiedererlangung der Kontrolle über die Ausscheidungsfunktionen sowie die Verbesserung der Selbsthilfefähigkeit bei den Alltagsverrichtungen und der höheren Hirnfunktionen. Für jeden unserer Patienten erstellen wir einen individuellen Therapieplan, der abhängig vom Verlauf der Rehabilitation, regelmäßig angepasst wird.