A A A
Bereichsnavigation
Vorherige
RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt | 24.09.2026

Vom Herzstillstand zurück ins Leben – eine Rettungskette, die funktioniert

Ein Herzstillstand kommt plötzlich. Für die betroffene Person zählt dann jede Sekunde – und für die Rettungskette jeder einzelne Handgriff. Wie viel eine funktionierende Versorgungskette bewirken kann, zeigt ein Fall aus Bad Neustadt: Ein damals 50-jähriger Mann erlitt im November 2022 bei einem Schwimmbadbesuch einen Herzstillstand. Mehr als 50 Minuten wurde um sein Leben gekämpft. Heute ist er wieder beschwerdefrei.

Der entscheidende erste Schritt: sofortige Hilfe

Der Einsatz ereignete sich am 29. November 2022 in einem öffentlichen Schwimmbad in Bad Neustadt. Der Patient klagte zunächst über brennende Brustschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Um 20:05 Uhr kollabierte er am Beckenrand. Ein Bademeister reagierte sofort und begann mit der Wiederbelebung.

„Genau hier beginnt die Rettungskette“, sagt Lulezim Leko, leitender Oberarzt der Zentralen Notaufnahme am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt. Leko war damals als Notarzt selbst vor Ort und begleitete die Reanimation bis zur Aufnahme des Patienten im Schockraum. „Dass unmittelbar mit der Reanimation begonnen wurde, war für den weiteren Verlauf von entscheidender Bedeutung.“

Um 20:10 Uhr wurde der Rettungsdienst alarmiert, eine Minute später traf Notarzt Lulezim Leko ein. Der Patient war bewusstlos, atmete nicht und hatte keinen tastbaren Puls. Im Elektrokardiogramm (EKG), der Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität, zeigte sich ein lebensbedrohlicher Herzrhythmus, der mit einem Elektroschock behandelt werden kann. Um 20:12 Uhr erfolgte die erste Defibrillation. Trotz mehrfacher Schockabgabe blieb der Herzrhythmus zunächst instabil. Die Wiederbelebung wurde konsequent fortgeführt. Um 20:45 Uhr begann der Transport in den RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt – weiterhin unter laufender Reanimation.

Nach 54 Minuten Reanimation: Der eigene Kreislauf kehrt zurück

Um 20:55 Uhr erreichte der Patient den Schockraum. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch keinen sicheren eigenen Kreislauf. Die medizinische Versorgung wurde unmittelbar fortgesetzt. Die Untersuchungen zeigten eine extrem kritische Situation. Der Körper war durch den lang andauernden Herzstillstand massiv belastet. Auch die Pumpfunktion des Herzens war deutlich eingeschränkt. 

„Bei einer Reanimation zählt nicht nur, was einzelne Teams leisten. Entscheidend ist, dass die einzelnen Schritte ineinandergreifen und ohne unnötige Verzögerung weitergeführt werden“, erklärt Leko. „Vom Bademeister über den Rettungsdienst bis zum Schockraum und darüber hinaus müssen alle Beteiligten im richtigen Moment handeln.“

Um 21:04 Uhr gelang schließlich die Wiederherstellung des eigenen Kreislaufs. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt 54 Minuten Reanimationszeit vergangen.

Vom Schockraum ins Herzkatheterlabor

Nach der erfolgreichen Wiederherstellung des Kreislaufs zeigte sich im EKG ein schwerer akuter Herzinfarkt. Der Patient wurde unmittelbar zur weiteren Behandlung in das Herzkatheterlabor gebracht.

Dort stellten die Ärzte eine schwere Erkrankung mehrerer Herzkranzgefäße fest. Mit einem Eingriff im Herzkatheterlabor und dem Einsetzen eines Stents, einer maßgeschneiderten Gefäßstütze, konnte die Durchblutung der betroffenen Herzkranzgefäße wiederhergestellt werden. Anschließend wurde der Patient auf der Intensivstation weiterbehandelt und engmaschig überwacht.

Doch die Rettungskette endete damit nicht. Nach der intensivmedizinischen Behandlung folgte für den Patienten ein langer Weg zurück ins Leben – mit einer frühen Rehabilitationsphase und anschließend einer neurologischen Rehabilitation. Eine spätere ambulante Untersuchung der Herzkranzgefäße bestätigte den guten langfristigen Behandlungserfolg.

Drei Jahre später: Der Patient erzählt seine Geschichte selbst

Ein besonderer Moment folgte im Oktober 2025 beim Rhöner Notfallsymposium. Dort wurde der außergewöhnliche Verlauf des Patienten gemeinsam mit dem Behandlungsteam vorgestellt. Das Besondere: Der Patient selbst stand auf der Bühne und berichtete über seinen Weg zurück ins Leben. Knapp drei Jahre nach dem Herzstillstand war er wieder beschwerdefrei. Für das Behandlungsteam war dieser Moment mehr als eine medizinische Erfolgsgeschichte. Er zeigte, was hinter einer funktionierenden Rettungskette steht: Menschen, die im entscheidenden Moment handeln, Verantwortung übernehmen und als Team zusammenarbeiten.

„Dieser Fall verdeutlicht eindrucksvoll, was eine funktionierende Rettungskette leisten kann. Trotz des lang andauernden Herzstillstands und der zunächst äußerst kritischen Situation konnte das Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidend dazu beitragen, dass der Patient überlebte und heute wieder beschwerdefrei ist“, sagt Lulezim Leko. „Er zeigt, wie entscheidend schnelle Hilfe, strukturierte Abläufe und die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Bereiche sind.“

Ausblick: Rhöner Notfallsymposium 2026

Wie wichtig das Zusammenspiel aller Beteiligten in der Notfallversorgung ist, steht auch in diesem Jahr beim Rhöner Notfallsymposium im Mittelpunkt. Am 16. Oktober 2026 lädt der RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt Fachkräfte der regionalen Notfallversorgung in die Wandelhalle am Schlosshotel in Bad Neustadt ein.

Unter dem Leitthema „Entscheidungsfindung in der Notfallmedizin“ bietet das Symposium Raum für den Austausch über aktuelle Entwicklungen, Erfahrungen aus der Praxis und konkrete Fallbeispiele. Expertinnen und Experten aus Rettungsdienst und medizinischer Versorgung kommen dabei zusammen, um voneinander zu lernen und die Zusammenarbeit entlang der regionalen Rettungskette weiter zu stärken.  Weitere Informationen unter: www.campus-nes.de/aktuelles/veranstaltungen

Notfall Information

Zentrale Rufnummer

Tel: +49 9771 66-0

Anfahrt & Parken

Termin vereinbaren

Cookies ändern