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Epilepsie

Für Diagnostik und Therapie der Epilepsie sind besondere fachliche Qualifikationen und spezielle Versorgungsstrukturen für die optimale Betreuung der Patienten notwendig. Vor diesem Hintergrund hat die Neurologische Klinik Bad Neustadt im April 2011 eine eigene Epilepsie-Station eingerichtet. Ziel ist es, den Patienten nach einem epileptischen Anfall durch konzentrierte fachliche Kompetenz eine optimale Erstdiagnostik zu bieten. Weil Epilepsie nicht immer ohne Weiteres als solche erkannt wird, herrscht bei manchen Patienten Unsicherheit über ihre Erkrankung. Hier stehen wir für eine Zweitmeinung zur Verfügung. Bei komplizierten Verläufen bietet die Neurologische Klinik eine Therapieoptimierung im Rahmen einer längeren Komplexbehandlung. Schließlich bieten wir Epilepsie-Patienten auch einen Rehabilitationsaufenthalt an, z. B. nach einem epilepsiechirurgischen Eingriff, bei Problemen bei der Krankheitsverarbeitung, mit alltags- oder berufsrelevanten motorischen oder neuropsychologischen Störungen oder mit psychischen Begleitstörungen wie Depression oder Angst. 

Bei der Einrichtung der Station wurde die Klinik von Prof. Dr. H. Stefan, einem international anerkannten Epilepsie-Experten, beraten. Prof. Stefan steht der Klinik als Berater durch regelmäßige Kommunikation zur Verfügung. 

Zu unserem Epilepsie-Team gehören zwei Pflegekräfte mit der von der Deutschen Gesellschaft für Epilepsie (DGfE) zertifizierten Zusatzqualifikation einer „Epilepsie-Fachassistentin bzw. -Fachberaterin“. Die Epilepsie-Nurse ist während des stationären Aufenthaltes für die Patienten feste Ansprechpartnerin und betreut die Betroffenen in allen Fragen rund um die Erkrankung. Nach dem Klinikaufenthalt kann sie telefonisch zu sozial-medizinischen Fragen beraten und betreut Patienten. Die Epilepsie-Nurse ist Bindeglied zwischen Patienten, niedergelassenen Ärzten, Kliniken und Beratungszentren. Zum Epilepsie-Team gehören darüber hinaus eine Neuropsychologin sowie eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes und MOSES-Schulungstrainerin. MOSES steht für Modulares Schulungsprogramm Epilepsie: ein Programm, in dem Hintergründe, Diagnostik, Therapie und Umgang mit der Erkrankung vermittelt werden. Darüber hinaus haben die Teilnehmer die Gelegenheit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und sich gemeinsam mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Das Programm wird zweimal jährlich im Rahmen eines Wochenendseminars in Kooperation mit der Epilepsieberatung Unterfranken angeboten und ist Teil eines umfangreichen Beratungsangebots, das die neue Station Betroffenen und Angehörigen bietet. Die Neurologische Klinik ist ein von den Krankenkassen in Bayern anerkanntes MOSES-Schulungszentrum.

Die Diagnose Epilepsie hat beruflich ebenso wie privat enorme Auswirkungen für Patienten. Die Patienten wie auch ihre Angehörigen haben in der Regel einen sehr hohen Informations-, Beratungs- und Schulungsbedarf, um mit der Krankheit im Alltag umzugehen. Hier will die Neurologische Klinik Bad Neustadt Anlaufstelle sein. Wir wollen unseren Patienten helfen, im Umgang mit der eigenen Krankheit Experten zu werden. Um den Patienten die best mögliche Versorgung bieten zu können, kooperiert die Neurologische Klinik mit zahlreichen Partnern. 

Wir koordinieren alle erforderlichen Schritte mit den Partnerkliniken, aber auch mit Beratungsstellen wie beispielsweise der Epilepsieberatung in Würzburg oder Mitgliedern des Netzwerks „Epilepsie und Arbeit“ (NEA) Unterfranken, in dem die Klinik Partner ist. Für die Diagnostik arbeiten wir eng mit der Abteilung für Radiologie der Herz- und Gefäß-Klinik Bad Neustadt zusammen, die über modernste Verfahren der Bildgebung verfügt. Auch mit der benachbarten Psychosomatischen Klinik besteht ein enger Austausch, um nicht-epileptische, z. B. psychogene von echten epileptischen Anfällen abzugrenzen. Wichtige Kooperationspartner sind darüber hinaus die Epilepsiezentren in Marburg und Erlangen. Die Epilepsie-Station umfasst insgesamt acht Akut- sowie bis zu vier Rehabilitationsplätze. Bei Bedarf kann auch ein Intermediate Care-Überwachungsplatz eingerichtet werden. Um auftretende epileptische Anfälle auf der Basis von EEG- und Videoaufzeichnungen analysieren zu können, stehen uns zwei hochmoderne mobile Video-EEG-Monitoring-Einheiten für eine Langzeitüberwachung von Patienten zur Verfügung.