Leistungssportler

ZWISCHEN LAKTAT-TEST UND LAUFBAND

Auch wenn der Spielbetrieb bis Ende August ruht: Die Spieler des Fußball-Regionalligisten TSV Aubstadt müssen fit bleiben und absolvieren ihren medizinischen Check-up am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt. Um ihnen bei einem möglichen Liganeustart uneingeschränkte Sportfähigkeit bescheinigen zu können, arbeiten Kardiologie und Orthopädie Hand in Hand.

Es ist Anfang März, als Max Schebak, Christoph Schmidt und Jens Trunk in der Kardiologie des RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt um die Ecke gebogen kommen. Sie sind Spieler beim Fußball Regionalligisten TSV Aubstadt. Das sieht man ihnen vielleicht nicht sofort an. Doch ihre leistungsdiagnostischen Werte, welche die medizinischen Geräte an diesem Tag ausspucken, sind eindeutig: Die elektrische Aktivität des Herzens, das Körperwasser, die Fettwerte, die segmentale Muskelmasse, der Body-Mass-Index oder die Milchsäurewerte via Laktattest unter Belastung zeigten, dass das Trio vor dem erwarteten Start der Rest-Rückrunde topfit war.

Doch dann folgt die Corona-Pandemie. Das öffentliche Leben kommt in den kommenden Wochen zum Erliegen und mit ihm auch der Spielbetrieb der Fußballligen. Seitdem ruht das gemeinsame Training. Die Spieler halten sich zu Hause fit und treten miteinander per Videokonferenz in Kontakt, bis ihr Vereinsleben wieder zur Normalität zurückkehren kann. Sie bleiben weiterhin am Ball und profitieren von den Ratschlägen der Kardiologen des RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, von denen sie sportmedizinisch betreut werden. Neue Ernährung: mehr Reis, weniger Nudeln Im Sommer des vergangenen Jahres haben die Aubstädter Spieler erstmals einen sportmedizinischen Check-up am Klinikum durchlaufen. „Aufgrund der Ergebnisse habe ich meine Ernährung umgestellt“, sagt Schebak und fügt an: „Weniger Nudeln, mehr Reis, weil ich das besser vertrage.“ Solche und andere Empfehlungen spricht Dr. Karin Nentwich, Oberärztin am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, aus. „Leistungssportler brauchen neben Kohlenhydraten viel Eiweiß. Daher ist auch hochwertiges Fleisch wie ein Rindersteak wichtig.“

Die Kardiologin verantwortet den Herz-Kreislauf-Teil dieser umfassenden Diagnostik. Dabei kann es ums Überleben gehen, denn der plötzliche Herztod überschattet immer wieder den Leistungssport. Ursachen sind meist plötzlich auftretendes Kammerflimmern oder eine andere schnell auftretende Herzrhythmusstörung – ausgelöst durch die körperliche Belastung. „Ein Restrisiko kann man nie ganz ausschließen“, unterstreicht Dr. Nentwich, „aber die Untersuchungen an den Herzen der Aubstädter haben bislang keine Auffälligkeiten in dieser Hinsicht ergeben.“

Zusammenspiel zwischen Kardiologie und Orthopädie Schon jetzt ist klar: „Noch größere Bedeutung wird diese Diagnostik erlangen, wenn der Spielbetrieb wieder anlaufen wird“, sagt Dr. Peter Trus. Für den Mannschaftsarzt beim Regionalligisten-Aufsteiger und Mitgründer des OrthoCentrums Saale ist der Check-up sehr bedeutend. Seine Praxis mit angeschlossenem ambulanten OP-Zentrum befindet sich in Haus 3 des Campus Bad Neustadt. „Ich muss den Fußballern aufgrund der Verbandsstatuten ihre uneingeschränkte Sportfähigkeit bescheinigen“, sagt der Orthopäde. „Und meine Kollegen und ich müssen sicherstellen, dass eine mögliche bzw. ausgestandene Corona-Infektion keine lebensgefährlichen Folgen für die Spieler hat.“ Eine schwierige Aufgabe, denn noch ist nicht geklärt, inwieweit die Organe des Menschen von dieser Virusinfektion in Mitleidenschaft gezogen werden können. „Hier wird im Vorfeld eines Neustarts ganz genau untersucht werden müssen.“

Dr. Trus und seine Kollegen vom OrthoCentrum Saale können in ihren modernen Räumlichkeiten zwar alle möglichen Behandlungen und Operationen durchführen. „Wir sind da sehr gut aufgestellt“, sagt Dr. Trus, der selbst auf Knie-Arthroskopien spezialisiert ist. Klassische Sportverletzungen wie Muskelfaserrisse sowie orthopädische Probleme wie Rückenschmerzen oder Kniebeschwerden sind seine Baustellen. „Für die kardiologische Untersuchung und Beurteilung der Leistungsdaten unserer Spieler benötigen wir jedoch kardiologische Expertise. Mit Oberärztin Dr. Nentwich und der Leitung Prof. Dr. Deneke haben wir sehr kompetente Partner.“

Gemeinsam für die Fitness (v. l.): Dr. Peter Trus, Dr. Karin Nentwich, Prof. Dr. Thomas Deneke und Trainer Josef Francic

Auf dem Rasen und dem Laufband alles geben Dr. Trus arbeitet auch sehr eng mit Aubstadts Trainer Josef Francic zusammen. Er ist ebenfalls bei der Leistungsdiagnostik dabei. Francic ist für Späße mit seinen Spielern zu haben. Das merkt man gleich. Doch er verlangt auch viel. „Wir haben nicht die finanziellen Mittel wie andere Vereine in dieser Liga. Daher müssen wir an unsere Grenzen gehen – und teils weit darüber hinaus“, sagt der 51-jährige Kroate. „Wir lassen die Erkenntnisse aus den Untersuchungen in die stark individualisierten Trainingspläne miteinfließen.“ Dadurch habe man zum Beispiel weniger mit Verletzungen zu kämpfen. Die Qualität des Trainings zu Hause bleibt auch in Corona-Zeiten hoch. Die Spieler sind diese Belastungen gewöhnt.

Zurück auf dem Campus: Zum Abschluss eines jeden Check-ups müssen sie auf dem Laufband alles geben. „Wir erhöhen die Geschwindigkeit alle drei Minuten um zwei Stundenkilometer – solange die Läufer es durchhalten“, erklärt Anja Amberg, die die Funktionsdiagnostik in der Kardiologie leitet. Nassgeschwitzt verschwinden Schebak, Schmidt und Trunk nacheinander unter der Dusche. Sie sind die letzten Aubstädter Spieler, die den Test in dieser abgebrochenen Saison absolviert haben, und nun auf eine schnelle Wiederaufnahme des Liga­betriebs hoffen. Fit genug dafür sind sie jedenfalls.

KONTAKT Sekretariat der Klinik für Kardiologie II Rhythmologie und interventionelle Elektrophysiologie am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt Chefarzt Prof. Dr. med. Thomas Deneke Tel. 09771 66 23250 info.kardiologie@campus-nes.de