IST

Dampfen

BESSER ALS

Rauchen?

E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Shishas werden bei jungen Leuten immer beliebter. Auch viele ältere Raucher probieren diese Produkte aus – meist in der Hoffnung, damit das kleinere Übel zu wählen. Aber wie harmlos ist das „Dampfen“ wirklich? Und taugen die Produkte als Ausstiegshilfe für Raucher?

E-Zigaretten enthalten keinen Tabak, sondern eine Flüssigkeit, die verdampft und inhaliert wird. Neben zahlreichen weiteren Inhaltsstoffen und Aromen ist im sogenannten Liquid meist auch Nikotin. Vermarktet werden sie als harmlose Alternative zum Rauchen. Aber sind sie das auch? Nein, urteilt Prof. Dr. Sebastian Kerber, Chefarzt der Kardiologie am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt. „Das Nikotin geht mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Durchblutungsstörungen der Beine einher. Blutdruck und Puls steigen, durch oxidativen Stress wird die Entstehung von Arterienverkalkung, koronarer Herzkrankheit, Parkinson, Alzheimer, Krebs sowie anderen Alterungsprozessen beschleunigt. Auch systemische Entzündungsreaktionen sind ähnlich wie beim Zigarettenrauchen zu beobachten. Insgesamt muss man daher von einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen durch E-Zigaretten ausgehen.“ „Darüber hinaus existieren ernstzunehmende Forschungsergebnisse dazu, dass E-Zigaretten ein erhebliches Risiko für chronische Atemwegs- und Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale und COPD darstellen“, warnt PD. Dr. Tobias Gessler von der Pneumologie des Universitätsklinikums Gießen. Neben dem im Liquid enthaltenen Nikotin tragen auch die Alkohole und vor allem Aromen und Zusatzstoffe zu den teilweise noch unkalkulierbaren, schädlichen Auswirkungen des E-Zigaretten-Rauchens bei, wie sich kürzlich in den USA bei einer Reihe von Konsumenten mit schwerem Lungenversagen gezeigt hat. Einstiegsdroge für Jugendliche Problematisch ist auch, dass die Hersteller offenbar gezielt Kinder und Jugendliche ins Visier nehmen: E-Zigaretten mit hoher Nikotinkonzentration und großem Suchtpotenzial sollen zum neuen Trendprodukt werden.


„ E-Zigaretten und Tabakerhitzer sind für Jugendliche und junge Erwachsene eine Einstiegsdroge für das Tabakrauchen und abgesehen davon gesundheitsschädlich.“

Prof. Dr. Sebastian Kerber

„Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet gegenüber der suchterzeugenden Wirkung von Nikotin“, warnt Dr. Gessler. Tabakerhitzer setzen darauf, den Tabak zu erwärmen, anstatt ihn zu verbrennen. Dadurch sollen deutlich weniger Schadstoffe inhaliert werden. „Harmlos sind sie aber ganz sicher nicht“, so Dr. Daniel Hansch, Oberarzt aus der Kardiologie in Bad Neustadt. „Auch hier sind krebserregende Stoffe enthalten, dazu kommen die schädlichen Wirkungen des Nikotins.“ Gleiches gilt in seinen Augen für die trendigen Shishas: „Auch sie erhöhen das Risiko, mit dem Tabakrauchen zu beginnen.“ Und Dr. Gessler ergänzt: „Hinzu kommen auch noch die Vergiftungsgefahr durch Kohlenmonoxid sowie Infektionsgefahren wie Influenza, Tuberkulose, Hepatitis und Herpes.“ E-Zigaretten als Raucherentwöhnung Doch was taugen die Produkte für ihren ursprünglichen Zweck, die Raucherentwöhnung? „Im Gegensatz zu anderen Methoden gibt es hier noch keine eindeutigen Daten, sodass man keine klare Empfehlung geben kann“, sagt Dr. Hansch. Kann das Dampfen wenigstens als kleineres Übel gelten, wenn man es mit anderen Methoden einfach nicht schafft, aufzuhören? „Die beste Alternative ist ganz klar: weder rauchen noch dampfen“, so Dr. Hansch. „Da tatsächlich weniger Schadstoffe enthalten sind, ist bei E-Zigaretten mit einer geringeren Rate an Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu rechnen. Gesund sind E-Zigaretten aber definitiv nicht.“ Abzuraten ist auch vom parallelen Zigaretten- und E-Zigaretten-Konsum. Denn viele Raucher steigen nicht komplett um, sondern nutzen die Verdampfer zusätzlich, etwa an rauchfreien Orten. Erste Studien legen nahe, dass sich dadurch die schädlichen Wirkungen vervielfachen könnten. „In meiner Praxis versuche ich einen Umstieg von konventionellem Rauchen auf E-Zigarette nur, nachdem alle anderen Möglichkeiten zum Erreichen einer Rauchfreiheit erfolglos geblieben sind“, ergänzt Dr. Gessler.

SO WERDEN SIE NICHTRAUCHER Natürlich ist jeder Tag ein guter Tag, um mit dem Rauchen aufzuhören. Denn Gründe gibt es genug. Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass Rauchen auch anfällig für schwere Covid-19-Verläufe macht. Damit lohnt sich der Rauchstopp umso mehr. Bei diesen Methoden der Raucherentwöhnung ist die Wirksamkeit wissenschaftlich belegt:

  • Verhaltenstherapie: Dabei wird unter anderem das eigene Rauchverhalten analysiert. Warum rauche ich überhaupt? Was kann ich tun, wenn ich Verlangen nach einer Zigarette habe?
  • Nikotinersatztherapie: Nikotinkaugummi oder -pflaster können – auch ergänzend zur Verhaltenstherapie – helfen.
  • Medikamente: Buproprion und Vareniclin sind verschreibungspflichtige Medikamente zur Raucherentwöhnung. Hypnose, Akupunktur und E-Zigarette können dem einen oder anderen sicher helfen. Belegbar ist ihre Wirksamkeit aber bislang nicht. Bei E-Zigaretten besteht zudem die Gefahr, das eine Übel durch ein anderes zu ersetzen. Mehr Infos gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.bzga.de). Auch die meisten Krankenkassen bieten Informationsangebote und Raucherentwöhnungskurse an.

KONTAKT Sekretariat der Klinik für Kardiologie I Interventionelle Kardiologie und kardiale Bildgebung am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt Chefarzt Prof. Dr. med. Sebastian Kerber Tel. 09771 66 23201 info.kardiologie1@campus-nes.de Medizinische Klinik II am Universitätsklinikum Gießen Funktionsoberarzt SP Pneumologie PD Dr. Tobias Gessler Tel. 0641 985 57036 tobias.gessler@innere.med.uni-giessen.de