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Kniegelenksverletzungen

Das Kniegelenk übernimmt hauptsächlich zwei Funktionen. Neben dem Tragen des Körpergewichtes
bietet uns die Anatomie des Kniegelenkes ein großes Bewegungsausmaß von ca. 150° Beugung und Streckung.  Das Kniegelenk befindet sich bei vielen Alltagsaktivitäten und Sportarten im Einsatz.
Aufgrund der anatomischen Lage zwischen dem Oberschenkel und Unterschenkel leidet unser Knie jeden Tag unter Hebelarmeffekten. Beim Laufen beträgt die Last-Übertragung am Kniegelenk das ca. 2-fache des Körpergewichtes.Beim Treppensteigen oder manschen Sportarten steigert sich diese Belastung auf das 5-7-fache des Körper Gewichts. Beinachsfehlstellungen, wie z.B. „O-Beine“ (Varus Deformität) oder „X- Beine“ (Valgus Deformität) können die Fehlbelastungen und die resultierenden Schäden noch steigern.
In Vergleich zu anderen Gelenken (z.B. Hüft- oder Sprunggelenk) ist das Kniegelenk nicht knöchern geführt da die Knochen am Kniegelenk nicht formschlüssig sind. Die Kongruenz des Kniegelenkes erfolgt durch zwei Knorpelscheiben (Innen- und Außenmeniskus) und 4 starke Hauptbänder (Vorderes Kreuzband, hinteres Kreuzband, Innen- und Außenband).Aufgrund der obengenannten anatomischen und funktionellen Hintergründe treten sportbedingte Verletzungen des Kniegelenkes sehr oft auf.

die häufigsten sportbedingten Knieverletzungen sind:

  • Kreuzbaandverletzung
  • Meniscusverletzungen
  • Knorpelschäden
  • Luxation der Kniescheibe
  • Multiple ligamenten Verletzungen

Begünstigt werden solche Verletzungen oft durch eine Beinachsfehlstellung

Vordere Kreuzbandverletzung:
Vordere Kreuzbandverletzungen sind eine der häufigsten sportbezogenen Knieverletzungen. Die Ursache dafür ist meistens eine abrupte Fehlbelastung ohne direkte Gewalteinwirkung z.B. falsche Landung nach einem Sprung oder eine plötzliche Veränderung der Laufrichtung.
Eine sorgfältige klinische und radiologische Untersuchung inklusive Kernspintomographie, sind sehr wichtig, um die Diagnose der VKB-Läsion zu stellen,aber auch um Begleitverletzungen zu entdecken.
Weiterhin sollte eine genaue Analyse von prädisponierenden Faktoren wie z.B.  eine Beinachsfehlstellung erfolgen, welche bei der Operation auch adressiert werden sollte, um das Ergebnis zu verbessern und das Risiko einer Rezidiv- VKB-Ruptur zu verringern.
Danach sollte dann je nach Alter, sportlichem Anspruch und beruflichem Anspruch die Indikation zur operativen oder konservativen Therapie gestellt werden.
Die konservative Therapie beinhaltet eine intensive Physiotherapie um die Muskulatur zur Stabilisierung des Kniegelenkes zu stärken.
Die operative Versorgung der VKB-Verletzung wird arthroskopisch versorgt (Schlüssellochoperation). Eine anatomische Rekonstruktion des VKB benötigt eine präzise präoperative Planung, zur Wiederherstellung der Anatomie und der ursprünglichen Spannung des VKB.
Normalerweise wird eine Bewegungsorthese postoperative für 6 Wochen angelegt.  Physiotherapeutische Behandlung beginnt am 1. postoperativen Tag und begleitet den Patienten nach der Entlassung weiter. Die meisten Pateienten kehren innenhalb von 2 Monaten zu Alltagsaktivitäten zurück. Sport treiben können die meisten Patienten, abhängig von der Sportart, nach 3 - 4 Monaten postoperativ, wobei eine Rückkehr auf das professionelle Niveau normalerweise 6 - 9 Monate postoperativ braucht.

                             
Bild Beschreibung: Links ein Kernspintomographie eines Knies mit intaktem vorderen Kreuzband (Roter Pfeil). Rechts ein Kernspintomographie eines Knies mit einem abgerissenen vorderen Kreuzband


  
Bild Beschreibung: Linkes Bild ist ein arthroskopisches Bild (während einer Schlüsselloch-Operation) mit fehlendem vorderen Kreuzband. Rechtes Bild Zeigt den intraoperativen Befund nach  Ersatz des vorderen Kreuzbandes (Roter Pfeil)

Beinachsfehlstellung und Umstellungsosteotomie
Die Gewichtsübertragung über die untere Extremität erfolgt normalerweise über eine imaginäre Linie, die durch die Mitte des Hüftkopfes, die Mitte des Kniegelenkes und die Mitte des oberen Sprunggelenks verläuft. Diese Linie wird Beinachse genannt. Eine Verlagerung dieser Linie nach Innen am Kniegelenk bezeichnet man umgangssprachlich als „O-Bein“ (Varus-Fehlstellung), eine Verlagerung dieser Linie nach Außen wird umgangssprachlich als „X-Bein“ (Valgus-Fehlstellung) bezeichnet. 
Meistens entwickeln sich diese Deformitäten im Wachstumsalter, wobei sie in diesem Alter nur selten Beschwerden hervorrufen. Weitere Ursachen für solche Achsabweichungen könnten in Fehlstellung verheilte Frakturen oder Verletzung der Wachstumsfugen sein. Metabolische und hormonelle Störungen, wie z.B. Vit. D-Insuffizienz und Hyperparathyreose könnten ebenfalls zu solchen Deformitäten führen.
Diese Fehlstellungen verursachen jedoch eine Fehlverteilung der Last über dem Knorpel, den Menisken und den Bändern am Kniegelenk. Die Konsequenz dieses andauernden Fehlbelastung machen sich meistens im Erwachsenenalter bemerkbar und können dann zu einer Schädigung des Kniegelenkes führen.
Bei Vorlage Kniegelenksbinnenschäden ist es deshalb wichtig an eine Beinachsfehlstellung als Ursache zu denken. Klinische und radiologische Bestimmung der Beinachse ist eine der wichtigsten diagnostischen Schritte In der präoperativen Planung.
Die Beinachsfehlstellung kann durch eine sogenannte Umstellungsosteotomie  korrigiert werden. Dabei erfolgt eine Achsumstellung der Knochen an Unterschenkel oder Oberschenkel, um so die Achsabweichung zu korrigieren. Anschließend fixiert man diese Osteotomie normalerweise mittels Plattenosteosynthese und Schrauben.
Eine sorgfältige präoperative Planung anhand von speziellen Röntgenaufnahmen und manchmal Computertomographie sowie intraoperativer präziser Implementierung der präoperativen Planung und Bildwandler Kontrolle sind sehr wichtig, um Überkorrektur oder Unterkorrektur zu vermeiden.
Die Postoperative Behandlung beinhalt normalerweise eine Teilbelastung des Beins für 6 Wochen.


         
Bild Beschreibung: Röntgen Untersuchung einer O-Bein-Deformität des rechten Beins mit Achs-Fehlstellung zwischen Oberschenkel und Unterschenkel (Links). Rechtes Bild zeigt die Korrektur der Achse nach Umstellungsosteotomie und Fixierung derselben mittel Platte und Schrauben.